fmn'16-Interview | Neuregelung der Werkverträge & Corporate Social Responsibility – worauf müssen wir uns einstellen?
Markus Breithaupt, Vorstandsvorsitzender, HECTAS Facility Services Stiftung & Co. KG
i2fm: Sehr geehrter Herr Breithaupt, erwarten Sie durch die Neuregelung der Werkverträge, Veränderungen in Ihrem Tagesgeschäft?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Sollte es bei dem Stand des aktuellen Entwurfs vom 17.02.2016 bleiben, erwarte ich für unser Kernleistungsfeld „Reinigung“ keine gravierenden Änderungen. Ursprünglich hat es aber einen 7-Kriterien-Katalog gegeben, der stärkere Auswirkungen gehabt hätte. Er sah zum Beispiel vor, dass sämtliche dauerhaften Tätigkeiten in den Räumlichkeiten der Kunden als Arbeitnehmerüberlassung zu werten sind. Ein klassischer Reinigungsvertrag wäre demnach nicht mehr ein Werkvertrag sondern eine eventuell unzulässige Arbeitnehmerüberlassung gewesen.
i2fm: Wie ausgeprägt ist das Bewusstsein für die eigenen Pflichten auf der Auftraggeberseite, die aus bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen hervorgehen?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Die Tatsache, dass jetzt versucht wird, das Thema gesetzgeberisch zu regeln, sollte uns zu denken geben. Der Gesetzgeber sieht hier offensichtlich Defizite. Allerdings reichen meiner Meinung nach die bestehenden Gesetze aus. Würden sie durchgängig beachtet, benötigten wir keine zusätzlichen Festlegungen.
i2fm:  Welchen Stellenwert nimmt aus Ihrer Sicht die Diskussion um die soziale Verantwortung in unserer Branche ein?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Die soziale Verantwortung hat noch einen zu geringen Stellenwert. Aktuell liegt der Diskussionsschwerpunkt mit Kunden eher bei Preis und Qualität. In meiner Wahrnehmung engagiert sich allerdings ein Großteil der Serviceanbieter bereits im Bereich Corporate Social Responsibility, kurz CSR. Sie nehmen ihre soziale Verantwortung aktiv wahr, denn gerade im Zusammenhang mit dem Wettbewerb um Talente ist dies zwingend erforderlich.
i2fm: Besteht dieser Wettbewerb um Talente auf jeder Ebene oder eher auf Führungspositionen?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Es wird insbesondere auf Ebene der operativen Leistungserbringung immer schwieriger zusätzliche Talente zu finden, da die Anforderungen, zum Beispiel in Bereichen wie Fachkompetenz, Effektivität, Effizienz oder auch Kundenorientierung, zugenommen haben.
i2fm: Würden Sie sich mehr Diskussion und Sichtbarkeit für das Thema innerhalb der Branche wünschen?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: 

Ja, es macht viel Sinn, die soziale Verantwortung zu einem festen Bestandteil der Bewertung von Lösungskonzepten zu machen. Die Kunden profitieren stark davon, wenn die Mitarbeiter der Dienstleister motiviert sind. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, die Folgen von Preisreduzierungen in Zusammenhang mit CSR zu bewerten. Wir sehen aktuell, dass die Zahl der Kunden, die ihre CSR-Aktivitäten bei Vergaben aktiv plausibilisieren, steigt. Um das Thema voranzutreiben und weiterzuentwickeln, sehe ich sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer in der Pflicht. Allerdings bin sehr skeptisch, ob uns gesetzliche Regelungen an dieser Stelle weiterhelfen. In der Regel läuft man mit den Gesetzen Fehlentwicklungen aus der Vergangenheit nur weiter hinterher. Was wir brauchen, ist der Blick nach vorne.

i2fm: Und die Mindestlohndebatte, die wurde gerade von den Gebäudereinigern durchaus sehr begrüßt?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Ja, sie ist auch weiterhin sehr willkommen. Wir sollten allerdings nicht vergessen, dass die Gebäudereiniger den tariflichen Mindestlohn bereits eingeführt hatten, als die Politik noch über den gesetzlichen Mindestlohn diskutierte. Er liegt übrigens über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro für die Stunde.
i2fm: Wie wird denn das Thema „Soziale Verantwortung“ bei HECTAS selbst gehandhabt?
xs fmn breithaupt Markus Breithaupt: Das besondere bei HECTAS ist, dass unseren Gesellschaftern – der Unternehmerfamilie Vorwerk – das Thema der sozialen Verantwortung seit Gründung des Unternehmens sehr wichtig ist. Folglich legen wir viel Wert auf Themen wie Arbeitssicherheit, laufende Weiterentwicklung der Mitarbeiter sowie eine aktive Einbeziehung der Mitarbeiter in die Prozessoptimierung. Unsere Kunden erwarten eine stetige Anpassung unserer Prozesse, insbesondere wenn sich bei ihnen selber Prozesse verändern. Damit wir diese Lösungsorientierung für den Kunden kombiniert mit einer hohen Reaktionsgeschwindigkeit gewährleisten können, müssen wir unsere Mitarbeiter fortwährend weiterbilden, und wir müssen ihnen ein Umfeld bieten, in dem es ihnen Freude macht sich einzubringen. Aus diesem Grund nehmen wir unsere soziale Verantwortung sehr ernst und wir sehen uns auf unserem Weg absolut bestätigt. Denn auch wenn sich aktuell die Diskussion mit potenziellen Auftraggebern noch häufig auf den Preis fokussiert, so nimmt die Anzahl der Kunden, die den Wert sozialer Verantwortung erkannt haben und sie ernst nehmen, stetig zu. Für uns ist das ein starker Hebel für die eigene Zukunftssicherung. Gesetze sind dabei für mich nur der zweitbeste Weg.
i2fm: Sehr geehrter Herr Breithaupt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

Genau dieses Thema vertieft Markus Breithaupt gemeinsam mit vielen anderen auf dem Nutzerkongress – 10.-11. Mai 2016 in Düsseldorf.

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