fmn'15-Interview | Bilanzielle Auswirkungen
Hector Dylla, Director Business Development, ISS Facility Services Holding GmbH
i2fm: Was hat sich in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach im Facility Management an guten Entwicklungen getan? Welche guten Erkenntnisse haben Sie in den letzten Jahren gesammelt?
xs fmn nb schuh Hector Dylla: Mit Blick auf die gesamte Branche spürt man, dass sich mit der Zeit bei der Aus- und Weiterbildung einiges getan hat. Man muss davon nicht alles gut finden, aber positiv ist, dass es überhaupt etwas gibt und dass es auch immer mehr gibt. Unsere Branche war früher eine Quereinsteiger-Branche und das entwickelt sich zunehmend in eine bessere Richtung. Ich glaube aber, dass sowohl Nutzer als auch Dienstleister von den guten Angeboten noch viel zu wenig nutzen – und zwar in Bezug auf richtige Weiterbildung und nicht auf die bloße Akquirierung von Studenten.

Die Begründung dafür ist immer wieder die gleiche: „Keine Zeit, kein Geld“. Wenn man dann aber sieht, wofür an anderer Stelle viel mehr Geld ausgegeben wird, muss man sich doch wundern. Wir sind ein People-Business und wenn wir nicht in unsere Leute investieren, in was dann?

Ich finde die Weiterbildungsformate, die weg von diesen reinen klassischen fachbezogenen Weiterbildungen hin zur Weiterbildung im Bereich der Soft Skills gehen, sehr wichtig. Das zeigt, dass auch darüber nachgedacht wird, dass die Leute eine Methoden- und Sozialkompetenz brauchen, um ihren Job machen zu können.
Der Ansatz „wir bilden mal jemanden zum Facility Manager aus“ ist hoffentlich bald ausgestorben. Denn was ist der Facility Manager? Was für ein Berufsbild soll das detailliert sein? Und warum wird der Facility Manager der Dienstleisterseite mit dem Facility Manager auf der Auftraggeberseite über einen Kamm geschoren? Was die Ausbildung und das Aufgabenfeld angeht, sollte man da schon ein bisschen mehr differenzieren.

Im Großen und Ganzen gibt es also im Bereich der Weiterbildung durchaus Schritte – wenn auch kleine – nach vorne. Das ist ein gutes Zeichen.

Darüber hinaus hat sich auf der Dienstleisterseite zum Beispiel verändert, dass wir flexibler und schneller auf Veränderungen reagieren. Wenn man sich einmal anschaut, welche Leistungsportfolien die einzelnen Unternehmen mittlerweile haben und wie sie sich auf veränderte Nutzeranforderungen einstellen – ich glaube, da sind wir Dienstleister sehr gut unterwegs.

Auf der Nutzerseite nimmt die leidige Gewerkeausschreiberei glücklicherweise ab. In den Ausschreibungen, die bei mir auf dem Schreibtisch landen, wird überwiegend gewerkeübergreifend abgefragt. Reine Technikausschreibung oder Infrastrukturausschreibungen werden zunehmend weniger, weil die meisten Kunden inzwischen auch den Fokus darauf haben, sich auf ein bis drei Dienstleister zu beschränken.

Und schließlich, wenn man mit Leuten spricht, die nicht in der Branche arbeiten, merkt man, dass das Image immer besser wird. Dem Stigma „Facility Manager sind Hausmeister mit Krawatte“ begegne ich immer weniger.
i2fm: Wodurch ist der Imagewandel beeinflusst?
xs fmn interview fmn14 niemeier Hector Dylla: Ich glaube, es ist eine Kombination aus dem, was die Möglichmacher in Sachen PR auf dem Markt machen, und der immer professioneller werdenden Außendarstellung der entsprechenden Unternehmen, die sich in dem Markt tummeln. Das führt dann schon dazu, dass über Printmedien et cetera das Image besser wird.
Was man Jahr für Jahr auch am Nutzerkongress sieht, ist, dass die Themen auch immer anspruchsvoller werden. Die Themen sind deutlich akademischer bearbeitet und dadurch auch in ihrer tatsächlichen Komplexität erfasst.
i2fm: Wie sollten sich diese Entwicklungen in den Ausschreibungen widerspiegeln?
xs fmn interview fmn14 niemeier Hector Dylla: In den Ausschreibungen sollte es aufhören, uns immer wieder auf’s Neue Brandschutzklappen zählen zu lassen und Preise abzufragen wie „Welchen Leistungswert habt ihr hinter Rasenmähen? Wie viel qm schafft ihr in einer Stunde?“. Das wird dem Thema und vor allem den Zielen des Nutzers nicht gerecht. Daran erkenne ich, dass bei den Kunden eben dieses Thema an der dritten, vierten Führungsebene hängt und man sich nicht richtig um diese Themen kümmert. Die haben noch nicht begriffen, dass Non-Core-Business-Supplier – ein viel treffenderer Begriff als „FM-Anbieter“ – eben nicht dafür bezahlt werden sollten, wie viel einen die Wartung einer Brandschutzklappe kostet. Vielmehr sollten wir vielleicht daran gemessen werden, ob unsere Arbeit irgendeinen Einfluss zum Beispiel auf die Bilanz des Gesamtunternehmens hat, oder auf die Herstellkosten pro Mitarbeiter im Kerngeschäft eines Kunden, oder auf den Börsenkurs – also auf die Dinge, die einen direkten Hebel zum Kerngeschäft haben, denn dieser Hebel ist ja da. Es gibt einen Benchmark, der aussagt, dass ca. 1-1,2 % des Gesamtumsatzes eines Unternehmen in Servicebereichen stecken. Das ist auf die Gesamtheit betrachtet nicht gerade wenig. Und wenn man sich das klar macht, landet das Thema auch in einer höheren Führungsebene und dann wird auch über die tatsächlich wichtigen Dinge gesprochen. Aber genau das sehe ich in den derzeitigen Ausschreibungen nicht – zumindest nicht in Deutschland.
i2fm: Sehr geehrter Herr Dylla, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

Sie treffen Herrn Hector Dylla auf dem Nutzerkongress 2015 – zur Website

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