fmn'15-Interview | BIM - wann kommt die Umsetzung?
Frank Bögel, Technical Director der CONJECT AG
i2fm: Herr Bögel, Building Information Modeling – BIM – ist in aller Munde. Brauchen wir bei diesem Thema in Deutschland eigentlich eher Aufklärung oder eher einen Thementreiber?
xs fmn nb schuh Frank Bögel: Ich denke, dass man beides braucht. Aufklärung brauchen wir noch, da der Begriff BIM derzeit ein Hype-Wort ist, mit dem sich jeder umgibt und bei dem jeder meint, er hätte dazu Berührungspunkte.
Gleichzeitig gibt es aber niemanden, der das Ganze antreibt. Wenn man zum Beispiel über den Ärmelkanal schaut, treibt die Öffentliche Hand die Entwicklung massiv an. Gleichzeitig ist dort die Aufklärung auch deutlich weiter und drängt wiederum das wirtschaftliche Interesse vor sich her.
Die Briten versuchen, durch den Einsatz von BIM die Wiederholung von Fehlern zu vermeiden und von der One-Off-Produktion wegzukommen.
In Deutschland produzieren wir fast ausschließlich One-Off-Gebäude. Jedes Gebäude ist eine Neuerfindung und wir lernen zu wenig aus dem, was gemacht worden ist. Anders ist es in Großbritannien und dabei ist BIM ein wesentliches Vehikel. Trotzdem geht es dabei nicht unbedingt um Serienfertigung in der Bauindustrie, sondern eher um eine Stärkung der Wiederverwendbarkeit.
i2fm:Was wäre ein gutes BIM-Projekt?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Ein gutes BIM-Projekt ist eines, in dem von Beginn an alle, die am Gebäude beteiligt sind, zusammen gearbeitet haben. Das steht leider im Gegensatz zu den allgemeinen Auffassungen, die man in Deutschland häufig findet.
In vielen Veröffentlichungen ist BIM das Erstellen von 3D-Gebäudemodellen bis hin zu einem Mindestmaß an Ausführungsplanung. Wenn man dann den nächsten Schritt in den Betrieb und die Nutzung einer Immobilie geht, dann ist die Vorstellung häufig, dass man Daten aus BIM heraus exportieren und in FM wieder hinein importieren könne.
Für ein gutes BIM-Projekt muss aber gemeinsam an dem Modell gearbeitet werden und das Modell ist mehr als nur eine 3D-Darstellung!
i2fm: Sind Corporates qua Bauherren-Rolle der richtige Adressat, um BIM-Projekte zu treiben?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Ja, eigentlich muss es im Interesse des Bauherren liegen, dass nach den BIM-Richtlinien beziehungsweise im Sinne eines BIM gearbeitet wird. Denn, wenn er am Ende das Gebäude selber lange nutzen und betreiben möchte, wird er dieses Modell benötigen.
Ein Beispiel: In Großbritannien sollten 15 sehr ähnliche Gefängnisse gebaut werden. Da haben Sie dann eine Serienfertigung und die Regierung ist der Bauherr. Aber in Deutschland finden Sie immer jemanden, der Ihnen erklärt, dass das nicht geht, weil... Und dann finden Sie wenig Bereitschaft, das einmal auszuprobieren.
Der Wunsch nach BIM-Prinzipien zu arbeiten treibt uns alle schon seit Jahren an, aber keiner setzt es um. Aber inzwischen kann zum Glück auch die Technologie Schritt halten und es gibt die technischen Möglichkeiten, solche Projekte wirklich zu machen.
Hin und wieder findet man mittlerweile auch die Bereitschaft dazu, aber dass der Zug wirklich so weit in Fahrt kommt, sehen momentan nur ganz wenige helle Köpfe. Man muss also immer noch Aufklärung betreiben. Bis jetzt sehen die Leute den Nutzen nicht und es gibt noch zu wenige Referenzprojekte, an denen man diesen wirklich rechnen kann.
i2fm: Wären die Asset Manager aus der Immobilienwirtschaft möglicherweise die besseren Adressaten, wegen des Drucks auf den Wertverlust durch schlechte Dokumentation und Information?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Sie hätten wahrscheinlich den größten Nutzen, aber ob die Entwicklung wirklich von ihnen getrieben werden kann, weiß ich nicht. Wenn man BIM gemacht hat, dann erhält man als Asset Manager die digitale und umfassende Dokumentation, auf deren Grundlage man dann Werterhalt, Wertsteigerung und dergleichen vorantreiben kann. Also eigentlich sind sie es, die es am ehesten haben wollen sollten. Aber ich bin mir nicht sicher, ob der Asset Manager im Moment der Entscheidung, ob man BIM macht oder nicht, schon dabei ist. Wenn der Asset Manager im Moment des „Wir wollen“ dabei ist, dann ist er vielleicht der Treiber. Aber solange der Bauherr entscheidet, einen neuen Standort zu bauen und der Asset Manager dann damit leben muss, was er zur Bewirtschaftung bekommt, hat er wahrscheinlich keine Chance das zu forcieren.
i2fm: Und an welchen Fronten kämpft CONJECT?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Wir sind zum einen als Missionare in dem Thema unterwegs. CONJECT steht ja jetzt schon seit 15 Jahren nicht nur für eine deutsche Software, sondern für den ganzen Immobilienlebenszyklus-Gedanken. Und dieser Gedanke und BIM sind so dicht aneinander, dass man es nicht besser aufeinander legen könnte.
Wir versuchen, sofern uns das möglich ist, Aufklärung zu leisten. Gleichzeitig sind wir aber auch technisch sehr stark unterwegs. Wir haben relativ große F&E-Projekte, in denen wir BIM-Umgebungen aufsetzen, um die Zusammenarbeit rund um solche Modelle zu unterstützen. Das tun wir unter anderem bereits sehr erfolgreich, indem wir unsere FM-Software mit der Planungssoftware verheiraten und generell die Kooperationsmöglichkeiten schaffen, so dass man BIM in verteilten Umgebungen machen kann. Als Basis kommen uns hier unsere Lösungen und Erfahrungen aus der Projektkollaboration und –kommunikation sehr zu Gute.
i2fm: Wie ist das mit der Standardisierung von Daten?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Es wird nicht das eine Datenaustauschformat geben. Das fällt wieder ein wenig unter das Thema Aufklärung. Wir müssen nicht alle mit dem gleichen CAD-System zeichnen oder mit der gleichen Datenbank arbeiten.
Wir müssen uns nur auf die zu transportierenden Informationen einigen. Ein Standard hat sich weltweit bereits sehr weit durchgesetzt und zwar die IFC. Die ist jetzt mit dem auf dem Markt vertretenen Release 4 sehr gut für BIM geeignet. Ein Architekt oder Elektro-Fachplaner würde seine Zeichnungen etc. aber nicht im IFC-Format abgeben, sondern mit dem Werkzeug arbeiten, dass er sonst auch nutzt.
Die Hauptsache ist nur, dass am Ende jeder die aus seiner Expertise kommenden Daten in einem konformen Format abliefert. Das muss man noch einmal zu verstehen versuchen. Die Daten sind nicht gleich der Zeichnung. Die Zeichnung ist nur ein Teil des BIM.
i2fm: Reichen die Verlockungen der perfekten Prozessabbildung, um die Corporates für BIM zu mobilisieren?
xs fmn interview fmn14 niemeier Frank Bögel: Ich glaube, Stand heute, ist es noch nicht soweit. Eher auf langfristige Betrachtung. Wahrscheinlich wird durch den Einsatz von BIM ein Projekt nicht kurzfristig kostengünstiger. Es gibt ein paar Savings, die man direkt aufrechnen kann, wie zum Beispiel die wiederholte Datenerfassung im Rahmen der Betriebsaufnahme. Aber ich glaube es reicht nicht, einfach nur die Skizze der Prozesse zu haben, die dann mal so ideal, um die eine zentrale Datenquelle herum laufen. Denn diese Skizzen gibt es in anderen Bereichen schon sehr lange und das allein reicht nicht. Ich glaube, es ist so, dass a) ein Druck von außen kommen muss, wirklich etwas umzusetzen zum Beispiel durch die Öffentliche Hand, die das einfach einfordert, und b) bedarf es der ersten 15 – 20 wirklich positiv vorgerechneten BIM-Projekte, damit man eine Referenz zeigen kann.
Und ich glaube, dass bei den ganzen Bauherren und Asset Managern auch noch Innovationsträger kommen werden. Da wird es Leute geben, die man zu diesen Pionieren zählen wird. Da könnte man sich derzeit ganz weit vorne positionieren. Was den Zeithorizont angeht, denke ich, dass wir realistisch in Deutschland noch 2 oder 3 Jahre brauchen, bis das Fuß fasst. Bis es Standard ist, reden wir aber eher über 5 bis 10 Jahre.
i2fm: Sehr geehrter Herr Bögel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

Sie treffen Herrn Frank Bögel auf dem Nutzerkongress 2015 – zur Website

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