fmn'15-Interview | Johannes Maierhofer,
BMW Group

WAS BEDEUTET EIGENTLICH INNOVATION IM FACILITY MANAGEMENT - MANAGEMENT-INNOVATION, PROZESS-, TECHNIK- ODER LEISTUNGSINNOVATION?
i2fm: Was ist eigentlich Innovation im Facility Management ? Ist es eine technische Innovation oder eine Management Innovation? 
xs fmn interview fmn15 maierhofer Johannes Maierhofer: Wenn es um das Thema Innovation im Facility Management geht, dann müssen wir zum einen über andere Formen der Zusammenarbeit, also Prozessinnovation, und zum anderen über neue Formen von technischen Hilfsmittel sprechen. Prozessinnovation heißt, dass wir über die ganze Kette der Leistungserstellung nachdenken müssen. Ich frage mich beispielsweise, wie man diese Kette mit einem Big Data Konzept unterlegen kann. Ziel dieser Überlegung ist es, Information für den Bedarfsträger über unsere Dienstleistungen zu erzeugen. Denn als FM-Verantwortlicher bin ich ja in der Regel nicht der Leistungserbringer, sondern eher ein Leistungsmakler. Und in dieser Rolle muss ich mich damit beschäftigen, wie Informationsprozesse beschleunigt und transparenter werden können. Wenn dann diese Information Bestandteil eines KPI-Systems ist, kann sie zur Überprüfung der Vertragskonformität der Leistungserfüllung genutzt werden.
i2fm: Womit fangen Sie bei diesem Vorhaben an?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer: Am Anfang steht die Frage, wie die Leistungserbringung gegenüber meinen Nutzern gemessen werden kann? Wir werden hier ein SLA-Management aufsetzen, das engmaschig gemonitort wird. Darauf setzt die Überlegung auf, wie gerade im technischen Bereich über eine verknüpfte Kennzahl Qualität und Effizienz der Leistungserbringung gemessen werden kann.
i2fm: Und kennen Sie andere Nutzerunternehmen, die in eine ähnliche Richtung denken?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer: Ich habe das Gefühl, dass wir über viele Unternehmen hinweg da noch sehr am Anfang stehen, aber ich kann mir vorstellen, dass die Mitwirkenden in der Deklarantenrunde das für eine gute Idee halten . Aber im Idealfall braucht es einen, der dann voran geht und zeigt, dass so etwas geht und welche Chancen sich dahinter verbergen.
i2fm: Welche Chancen versprechen Sie sich denn davon? Welche konkreten Verbesserungen? Mehr Steuerungsfähigkeit?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer: Zum einen kann Dienstleistung so immer präziser am Bedarf entlang eingekauft werden – nicht mehr und nicht weniger. Zweitens bekomme ich einen genauen Überblick über die Qualität der Leistungserbringung und zwar so, wie ich sie auch mit meinem internen Abnehmer vereinbart habe. Das Dritte ist, dass die Verfügbarkeit darstellbar wird. Stellen Sie sich beispielsweiese mal einen Verbund von Druckluftkompressoren vor. Um hier Investitionen zu minimieren, muss genau ausgerechnet werden, was für eine Verfügbarkeit gebraucht wird, um Druckluft in einer bestimmten Menge und einer bestimmten Qualität – einem bestimmten Feuchtegrad zum Beispiel – abliefern zu können. Wenn ich von meinen Anlagenkomponenten genau weiß mit welcher Verfügbarkeit ich sie fahren kann, kann ich auch sagen, wie Wartungsintervalle durch einen Dienstleister ausgeführt werden müssen. Und schließlich interessiert mich auch, wie effizient eine solche Anlagenkomponente gefahren werden kann. Für mich sind die drei wesentlichen Faktoren: Verfügbarkeit, Qualität und Effizienz.
i2fm: Wie ist denn der Auftragnehmer in den Innovationsprozess eingebunden? Ist er das überhaupt?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer:Der Dienstleister wird gerade wenn es um das Thema Kompetenzen geht ganz gewaltig gefordert werden. Er wird sich viel stärker mit den Aufgabenstellungen einer vorbeugenden Qualitätssicherung und Arbeitsvorbereitung beschäftigen müssen. Vorne im Prozess muss der Dienstleister einen fehlerfreien Prozess absichern. Und dann möchte ich beispielsweise nicht mehr Dienstleistungen einfach nur abnehmen, ich möchte sie zukünftig nur noch vorweg freigeben müssen. In einem sauber integrierten Managementsystem, in das ein Dienstleister entsprechend eingebunden ist, sollte das möglich sein. .
i2fm:Glauben Sie, dass sich diese Vorgehensweise in der Breite durchsetzen wird?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer: Ich glaube, dass Unternehmen, nicht darauf verzichten können, alle Prozessinnovationen, die im Kerngeschäft bereits vor 10, 20 Jahren gemacht wurden auf das Facility Management zu übertragen.Wenn das nicht gelingt, dann wird Facility Management immer nur als Kostenfaktor und nicht als Leistungsfaktor gesehen werden. In den nächsten Jahren werden sich mehr und mehr Unternehmen mit diesen Themen beschäftigen.
i2fm:Und die Seite der technischen Innovation?
xs fmn interview fmn14 niemeier Johannes Maierhofer: Ich muss immer widersprechen, wenn ich höre dass FM ein reines People Business sei. So gesehen, war alles mal ein People Business bis die Automatisierung kam. Autos bauen war ein People Business, Geld zählen war ein People Business, aber wer zählt heute noch in einer Großbank die täglichen Einzahlungen am Ende eines Kassentages? Das macht eine Maschine.
Im Facility Management haben wir uns noch viel zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie man Prozesseffizienz und Kosteneffizienz auch durch Automatisierung erreichen kann.
Ein Beispiel: Hat schon einmal jemand überlegt, ob Rasenmähen als Dienstleistung einkaufen muss oder ob ein elektrisch betriebener Rasenmäh-Roboter wirtschaftlicher ist?
Ein anderes Beispiel: Heute geht Reinigungspersonal durch alle Büroräume und schaut in die Papierkörbe. Wenn etwas drin ist, wird es in einen größeren Behälter geschüttet. Intelligente Papierkörbe, die sich melden, wenn sie voll sind, würden hier Effizienzen heben. Dann bekommt entweder das Reinigungspersonal eine Information, wie die Tagesroute durch das Haus aussieht oder die Papierkörbe werden sogar durch einen kleinen fahrbaren Roboter angefahren und bei Bedarf dann automatisch ausgeleert.   In der Logistik haben wir uns vor 25-30 Jahren mit Automatisierungsthemen wie dem Hochregalleger und den fahrerlosen Transportsystemen beschäftigt. Im Moment beschäftigen wir uns mit der Verkehrsforschung, mit Leitsystemen für PKW’s und Stau-Warn-Systemen. Und nichts anderes müssen wir im FM auch tun. Aber wir müssen uns mit solchen Themen auch beschäftigen. Wenn wir nur Leistung reduzieren, um Kosten zu sparen, da bleibt das Facility Management nur ein Kostenfaktor.
i2fm: Sehr geehrter Herr Maierhofer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Johannes Maierhofer ist Leiter Facility Management & Energie bei der BMW Group. Das Gespräch führte Katja Bilski.

Hier treffen Sie Johannes Maierhofer
Praxisdialog Dienstleistungssteuerung – 22.10.2014, Oberhausen – zur Website
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