fmn'13-Interview | Huub Verheijen,
Managing Director bei Alvero Büromöbelvermietung 

Kommt das Arbeitsplatz-Contracting? Wie stehen die Zeichen im internationalen Vergleich?

i2fm: Sehr geehrter Herr Verheijen, in Deutschland wird gerade überall in der Presse diskutiert, dass "Benutzen statt Besitzen" sich als Trend durchsetzt. Wie verbreitet ist das Prinzip in den Niederlanden?
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Hier bei uns ist das inzwischen weit verbreitet. Bei Computern beispielsweise oder Kopiergeräten ist es inzwischen fast normal, sie eben nicht mehr im Eigentum zu haben. Diese Dinge werden nicht mehr gekauft, sondern in einer Art operationellem Leasing zur Verfügung gestellt. Das Denken im „Total cost of ownership“ (TCO) ist sehr wichtig geworden, weil es bedeutet, dass man zwar Kosten für die Benutzung hat, man aber kein Eigentümer ist und somit nichts in der Bilanz aktivieren muss. Das ist das eigentliche Thema.

Insbesondere in einer Krisensituation, wie sie momentan in Holland herrscht, interessieren sich immer mehr Unternehmen für Produkte, die sie nicht als Aktiva in der Bilanz ausweisen müssen, aber operationell zur Verfügung haben. Dieser Trend wird sich in den Niederlanden weiter verstärken und immer mehr Infrastruktur- und Ausstattungsprodukte umfassen.
i2fm: Nach der Krise folgt der Aufschwung. Wie wird es dann weitergehen? Bleibt das Thema dann immer noch präsent?
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Ja, davon sind wir überzeugt. Das hat einfach damit zu tun, dass neben dem Bilanzierungsvorteil auch ein Mehrwert in der in einer höheren Flexibilität gesehen wird.
i2fm: Wie sehen Sie – aus der niederländischen Perspektive – die Entwicklung in Deutschland?
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Bei den Großunternehmen fängt es an. Die DAX-Unternehmen sind international aufgestellt mit vielen Niederlassungen außerhalb Deutschlands. Hier greifen daher internationale Bilanzierungsregeln. Das verstärkt den Druck zur Bilanzentlastung.
Daneben aber wirkt sich einerseits in Deutschland die Finanzkrise anders aus als in den Niederlanden, der Leidensdruck ist in Deutschland wesentlich geringer. Die Krise in Holland ist sehr ernst und so haben beispielsweise Gemeinden sehr beschränkte Möglichkeiten, Investitionen zu tätigen. In Holland gibt es die Staatsbank, bei der Behörden kostengünstig Geld leihen können. Zur Zeit ist die Bank in ihren Möglichkeiten sehr eingeschränkt, Geld an Gemeinden zu verleihen. Vor diesem Hintergrund mieten große Gemeinden wie Amsterdam für bestimmte Zwecke dann beispielsweise lieber Mobiliar.
Wenn die Gemeinden investieren wollen, dann muss diese Anfrage zuerst politisch beurteilt werden, bevor sie nochmals von der Staatsbank geprüft wird. Die Gemeinden haben damit viele Probleme, weil Planungen von großen Investitionen dadurch nahezu unmöglich sind, wenn die Gelder nicht fließen.
Sicher ist: letztendlich sind die internationalen Regeln für Großunternehmen und Behörden überall gleich. Daher glaube ich, dass „Benutzen statt Besitzen“ auch in Deutschland noch viel größer wird.
i2fm: Beobachten Sie Schwerpunkt-Branchen, die besonders zum Modell „Benutzen statt Besitzen“ neigen?
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Nein, eigentlich nicht. In Holland begegnet uns das Modell in der Industrie, wie in Dienstleistungsunternehmen genauso wie bei Banken, Versicherungen und Behörden.
Was aber tatsächlich auffällt, ist, dass die produzierenden Unternehmen das Modell gerade für den sensiblen Produktionsbereich nachfragen. Wer Produktionsanlagen hat, die gewartet werden müssen, die man abschreiben kann und/ oder die problemanfällig sind, der will Sicherheit und versucht, über Leasing- oder Mietverträge alle Eventualitäten, wie Maschinenausfall, abzusichern.
i2fm: Wer ist in den Unternehmen die treibende Kraft hinter solchen Modellen?
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Das ist eine sehr gute Frage. Wir hatten immer mit Leuten aus dem Facility Management zu tun, wenn es um Kauf, Miete oder Leasing geht. Die finale Vertragsabwicklung läuft meiner Erfahrung nach über die Finanzleute. Auch der Impuls für solche Modelle geht in der Regel von der Finanzabteilung über die Geschäftsleitung. Es dreht sich so gut wie immer um monetäre Gründe, warum das jetzt so gemacht wird. Das und das Thema Flexibilität.
Wenn man einen Leasingvertrag abschließt, zum Beispiel bei einem Auto, dann hat man nur eine sehr beschränkte Form der Flexibilität, weil man eine langfristige Bindung eingeht ohne einen schnellen Vertragsaustritt realisieren zu können.
Hierbei geht es eher um eine finanzielle Flexibilität, weil man es schlichtweg nicht zu kaufen braucht. Ein Großunternehmen, welches 200 PKW für seine Mitarbeiter kauft, hat hiernach eine gewaltige Kapitalbindung. Wenn man stattdessen least, zahlt man monatlich kleine Summen, aber das restliche Geld steht für andere wichtige (Kerngeschäfts-)Prozesse zur Verfügung.
i2fm: Das hört sich in erster Linie nach einem Liquiditätsthema an.
xs fmn interview fmn13 huub verheijen Huub Verheijen: Das ist auch ein wichtiges Thema. Gerade bei den aktuell niedrigen Zinsen ist es fast schon billiger, Produkte zu finanzieren als komplett zu kaufen. Daher spielt sowohl die Liquidität als auch die niedrigen Finanzierungszinsen eine Rolle.
i2fm: Herr Verheijen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und freuen uns auf den gemeinsamen Nutzerkongress 2013 mit Ihnen.

Das Interview führte Katja Bilski.
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