fmn'19-Interview | Agiles Corporate Real Estate Management
Ein Gespräch mit Frank Heekerens, ZF Friedrichshafen
i²fm:  Herr Heekerens, Sie arbeiten bei ZF Friedrichshafen mit einem agilen Ansatz im Corporate Real Estate Management. Was heißt das?
xs fmn facility management nutzerkongress fachbeirat 2018 heekerens zf friedrichshafen Frank Heekerens: Mit dem agilen Ansatz arbeiten Experten aus verschiedenen Funktionen, Sub-Organisationen, Regionen in Projekten zusammen. Da wird ein interdisziplinäres, kostenfunktionales und vor allem schlagkräftiges Team gebildet. So arbeiten wir grundsätzlich in unserem Unternehmen.
Für unsere CREM-Themen heißt das, dass die Projektgruppen nicht in einer Linienorganisation daran arbeiten. Wir haben in dem Sinne kein stark zentralisiertes CREM. Stattdessen wird jedes Thema mit einem dafür gut aufgestellten Team angegangen, optimiert oder gelöst.
Die Herausforderung ist, aus den verschiedenen Geschäftseinheiten, die auch in unterschiedlichen Regionen angeordnet sein können, die Leute heraus zu lösen und auf Projekte zu allokieren, wo man Ihr Know-how am besten gebrauchen kann. Dann arbeiten alle gemeinsam an dem Projekt, bis es erledigt ist. Danach gehen sie wieder auseinander.
Gekennzeichnet ist das durch Vertrauen, Schnelligkeit, Flexibilität, Anpassung, Vernetzung und gute Organisation. Die Projektmitglieder sollen wie ein Schwarm agieren. Von der herkömmlichen Linie unterscheidet sich das völlig.

 

i²fm:  Warum arbeiten Sie so?
xs fmn facility management nutzerkongress fachbeirat 2018 heekerens zf friedrichshafen Frank Heekerens: Zunächst mal ist das ein Trend, den wir zur Zeit in der gesamten Automotivebranche beobachten. Wir erleben aktuell eine starke, disruptive Veränderung – beim internen Kunden wie beim Endverbraucher. Die macht es erforderlich, dass wir uns deutlich schneller bewegen und auf einzelne Themen konzentrieren, als das früher der Fall war. Die Zeit des Abarbeitens ist vorbei.
Wir von ZF sind der Meinung, dass diese Veränderung einfach ein anderes CREM benötigt. So können wir sehr flexibel, basierend auf der Strategie des Kerngeschäfts – unseres internen Kunden – verschiedene, wirklich wesentliche- Schwerpunkte angehen.
Wir können unsere Mitarbeiter und Experten auf die Projekte priorisieren und konzentrieren, die für das Kerngeschäft den höchsten Mehrwert bieten und die höchste Relevanz für den Konzern als Ganzes haben.
Das gilt für alle Funktionen – Controlling, Einkauf, alles. Beispielweise kümmern Sie sich so um dringende Energiethemen z.B. in Nordamerika. Es kann gleichzeitig genauso gut sein, dass Projekte initiiert werden, weil in Asien oder anderen Wachstumsmärkten schnell Themen aufkommen. Da geht es dann darum, hier sehr schnell zu lokalisieren und Immobilien bereit zu stellen, die flexibel auf die wirklichen Bedarfe des Kerngeschäftes eingehen.
Wir brauchen auf diese Weise keine voll ausgerollte bzw. zentralisierte CREM-Organisation,um wirksam zu sein. Wir können mit einem solchen CREM-Modell die Kollaboration von Real Estate Einheiten, dem Business und anderen Corporate Funktionen Projekte auf die Beine stellen, die in der klassischen Linie gar nicht funktionieren würden.

 

i²fm: Wie läuft es? / Wie geht es voran?
xs fmn facility management nutzerkongress fachbeirat 2018 heekerens zf friedrichshafen Frank Heekerens: Wir haben mit der Art dieser Arbeit im letzten Spätsommer begonnen und haben zehn übergeordnete Projekte, die gut laufen. Dort geht es wesentlich um Transparenz- und Optimierungsthemen.
Wir konnten schnell mess- und fühlbare Ergebnisse und Wertbeiträge für das Unternehmen liefern. Ein Beispiel ist das Thema Masterplan. Es geht um die Frage, wie wir die globalen, regionalen und lokalen Strategien und Bedarfe des Kerngeschäfts jeweils in Immobilie und Standort übersetzen. Hier gibt es eine starke Vernetzung zwischen Kerngeschäft, Corporate Funktionen und Real Estate Management, die am Ende maßgeschneiderte Lösungen liefern.
Das meint nicht unbedingt klassische Bauprojekte. Diese werden eher als Service des CREM für das Kerngeschäft bereitgestellt. Das ist eine eher bilaterale Kollaboration. Auch da brauchen wir immer Bereiche unsere internen Kunden.
Natürlich gibt es noch Verbesserungspotenzial. Wir müssen schnell zusehen, dass wir Ressourcen, die gerade nicht im Bereich des Bedarfsträgers sind, schnell auf das Projekt eines anderen Businesses bringen. Wenn zum Beispiel unsere Getriebefertigung in Vietnam ein neues Werk benötigt und wir haben Experten in einer anderen Division, die in Vietnam und mit vergleichbaren Aufgabenstellungen bereits Erfahrung haben. Wie bekomme ich jetzt die Leute aus der anderen Division dorthin allokiert, wo sie am ehesten gebraucht werden? Das läuft noch nicht so schnell, wie wir es uns vorstellen. An der einen oder anderen Stelle noch recht holprig. Aber wir haben ein großes Commitment und Engagement in der Organisation, auch und gerade im Top-Management.

 

i²fm: Was würden Sie jemanden empfehlen, der so etwas in seiner Bestandsorganisation aufbauen will?
xs fmn facility management nutzerkongress fachbeirat 2018 heekerens zf friedrichshafen Frank Heekerens: Bei uns ist der Konzern gerade im Aufbruch. Das gibt natürlich Momentum. Das Kerngeschäft hat insbesondere mit unseren Entwicklern schon Erfahrungen im agilen Ansatz gesammelt. Sehr spannend. Um unseren CREM-Job richtig zu machen, brauchen Sie eine starke Einbindung in die Corporate Business-Strategien und ein sauberes Demand Management. Im agilen Ansatz sogar noch mehr, weil wir hier allokieren müssen, wo und woran die jeweils geeignetsten Mitarbeiter und Experten für ein Projekt gerade arbeiten.
Man braucht Transparenz der regionalen und interdisziplinären Kräfte, die man hat. Dazu braucht es auch Entscheidungsstrukturen, die eine schnelle Ressourcenallokation ermöglichen.
Und schließlich brauchen Sie im CREM ein anderes Mindset. Der klassische Bauingenieur, Architekt oder Gebäudetechniker, der nur die Dinge umsetzt, die ihnen das Kerngeschäft vorgibt – die haben meiner Meinung nach ausgedient.
Wir brauchen proaktive Manager, die den Managern aus dem Kerngeschäft auf Augenhöhe begegnen, auch mal dagegen halten, Bedarfe sauber übersetzen und den Mehrwert, den sie generieren, auch vermitteln. Dann klappt das.

 

Sie treffen Frank Heekerens auf dem Nutzerkongress 2019 am 14.-15.5.2019 in Düsseldorf

Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i²fm.

 

 
 
 
 
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